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Lasst uns über Geld sprechen! Interview mit Sandra Krug

Autor
Laura Lange

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Lasst uns über Geld sprechen! Interview mit Sandra Krug

Sandra Klug ist Juristin und seit 19 Jahren bei der Verbraucherzentrale Hamburg tätig. Seit August 2021 leitet sie die Abteilung Geldanlage, Altersvorsorge und Versicherungen. Wir haben mit ihr über private Altersvorsorge gesprochen.

Frau Klug, warum tun sich viele Deutsche mit dem Thema Finanzen so schwer?

Bei vielen spielt die Erziehung und fehlendes Finanzwissen eine Rolle. In älteren Generationen beschränkte sich die Geldanlage oft nur auf Bausparverträge und Lebensversicherungen. Und leider findet in den Schulen auch keine finanzielle Allgemeinbildung statt. Deshalb haben viele Menschen Berührungsängste und kein Selbstvertrauen.

Stattdessen vertrauen wir Bankangestellten?

Ja, Banken und Beratungsgesellschaften bekommen immer noch einen erstaunlich großen Vertrauensvorschuss. Deutsche lesen sich tagelang durch Bewertungsportale und Tests, bevor sie Kopfhörer kaufen, aber wenn es um die Geldanlage geht, schließen wir in der nächsten Bankfiliale das erstbeste Angebot ab.

Wie kann man es besser machen?

Wer Unterstützung braucht, sollte sich neutral beraten lassen. Das geht in den Verbraucherzentralen und bei unabhängigen Honorarberatern. Bei Letzteren sollte man darauf achten, dass die Beratung nicht künstlich ausgedehnt wird.

Wie sieht eine gute private Altersvorsorge aus?

Altersvorsorge kann Gold sein, die Blaue Mauritius, eine Immobilie, ein Aktienfonds. Jeder Vermögenswert ist Altersvorsorge. Wichtig ist, dass man im Alter ein Mehr hat, von dem man zehren kann. Es muss keine monatliche Rente sein.

Und wie erreicht man das am besten?

Eine gute Option sind Fonds. An der Börse gibt es zwar immer Kursrutsche, aber wenn die eigene Rente noch weit in der Zukunft liegt, ist das unproblematisch, denn langfristig können Anleger hier höhere Erträge erwarten. Dafür sollte man aber unbedingt einen bzw. mehrere Fonds wählen, die breit gestreut und kostengünstig sind.

Sind ETFs gute Einsteigerprodukte?

Ja, ETFs sind leicht zu verstehen und man kann sie als Verbraucher*in direkt und günstig im Internet kaufen. Sie sind gut geeignet für Anleger*innen, die sich nicht intensiv um ihre Geldanlage kümmern wollen. Wer einmal einen Sparplan angelegt und sich breit aufgestellt hat, hat das Wichtigste erledigt. Nur Krisen muss man aushalten können und niemals alles panisch verkaufen. Am besten guckt man in solchen Phasen vielleicht gar nicht ins Portfolio.

Kann man auch mit Einzelaktien fürs Alter vorsorgen?

Das halte ich für riskant. Je kleiner mein Anlageuniversum ist, desto spekulativer wird es.

Wie ist es mit Krypto und NFTs?

Grundsätzlich sollte man nur in etwas investieren, das man versteht. Ich behaupte, die meisten haben keine Ahnung, was ein Bitcoin oder NFT im Detail überhaupt ist. Bei jüngeren Menschen sieht das manchmal anders aus, als Altersvorsorge würde ich es aktuell trotzdem nicht empfehlen. Es ist zu spekulativ und damit zu riskant.

Bank oder Neobroker?

Beides ist möglich. Besonders junge Anleger*innen wickeln ihre Finanzgeschäfte über das Smartphone ab. Wer Bedenken hat, ist bei Direktbanken besser aufgehoben. Einige haben den Vorteil, dass man dort auch persönlich mit dem Kundenservice sprechen kann.

Auch bei der Geldanlage ist Nachhaltigkeit ein Trend. Kann man umweltfreundlich und fair Geld anlegen?

Hier ist das größte Problem, dass es keine klaren Kriterien für nachhaltige Geldanlage gibt. Es gibt kein Gesetz, aber viele Siegel. Oft ist das leider Augenwischerei. Einige Fonds haben aber Ausschlusskriterien, z. B. Umweltzerstörung oder Korruption. In der Datenbank der NGO „Facing Finance“ kann man prüfen, ob und welche kontroversen Unternehmen in einem Fonds enthalten sind. Das kann helfen, aber man sollte sich den eigenen kritischen Blick bewahren.

Lohnt sich eine private Rentenversicherung noch?

Auf keinen Fall. Private Renten- oder Lebensversicherungen sind sehr teuer. Sie haben hohe Abschluss- und Vertriebskosten und nur wenig Rendite. Wer schon vor Jahren einen Vertrag abgeschlossen hat, kann Glück haben. Am besten lässt man das individuell prüfen.

Viele Anlagetipps richten sich speziell an Frauen. Gibt es da Unterschiede zu Männern?

Geldanlage ist Geldanlage, und erstmal unabhängig vom Geschlecht. Unterschiede ergeben sich höchstens bei der Bedarfsanalyse. Frauen und Männer haben oft andere Ausgangssituationen, weil Frauen häufig immer noch niedrigere Löhne bekommen oder in Teilzeit beschäftigt sind.

Profitieren auch gut aufgestellte Anleger*innen von einer Beratung?

Ja, besonders wenn sich die Lebenssituation ändert, weil man z. B. das Haus verkauft, die Kinder ausziehen oder man sich scheiden lässt. In der Beratung geht es auch nicht immer darum, Dinge dem veränderten Bedarf anzupassen, manchmal hilft sie auch dabei, einen Überblick und Klarheit zu bekommen.

Sandra Klug ist Juristin und seit 19 Jahren bei der Verbraucherzentrale Hamburg tätig. Seit August 2021 leitet sie die Abteilung Geldanlage, Altersvorsorge und Versicherungen.

Du kannst nicht so viel mit den Begriffen Broker, ETF und Fonds anfangen? Wir haben für diesen Fall hier ein paar hilfreiche Tipps für dich zusammengetragen!

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