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Dein Vorurteil? Dein Problem! – Vom Image Sozialer Jobs

Autor
Alina Halbe

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Dein Vorurteil? Dein Problem! – Vom Image Sozialer Jobs

Viel Arbeit, aber wenig Anerkennung und hartnäckige Klischees: Berufe in der Sozialen Arbeit haben ein Image-Problem. Dabei kann unsere Gesellschaft ohne sie gar nicht funktionieren. Nicht nur deshalb haben Menschen in sozialen Berufen allen Grund dazu, auf sich und ihren Job stolz zu sein.

»Pflegen kann jeder«
»Ihr spielt doch nur mit den Kindern und trinkt Kaffee«

Das sind Sätze, die sich Kita-Mitarbeiter*innen und Pflegekräfte immer wieder anhören müssen. Sätze, die sie aber schon lange nicht mehr hören können. Leider sind Vorurteile so zäh und nervig wie ein Kaugummi unterm Schuh. Und woher genau diese eingefahrenen Berufsvorstellungen kommen, lässt sich im Einzelfall auch nur schwer sagen. Klar ist aber, dass Unwissenheit, überholte Denkmuster und die undifferenzierte Darstellung der Sozialen Arbeit in Medien und Politik einen großen Teil dazu beitragen.

Vorurteile sind Alltag in der Branche

Wir haben euch auf Facebook und Instagram nach Klischees gefragt, mit denen ihr immer wieder konfrontiert werdet – nicht nur in der öffentlichen Diskussion, wenn es zum Beispiel um Themen wie Gehälter, Arbeitszeiten und Belastungsgrenzen geht, sondern auch im privaten Umfeld, also im Bekanntenkreis, auf Partys, beim Sport – eben immer dann, wenn man gefragt wird, was man denn beruflich macht.

Die Antworten lassen sich ganz grob in etwa so zusammenfassen: In der Pflege verdient man nichts und macht sich zudem kaputt, im Kindergarten wird nur gespielt, gesungen und gelacht – ach ja, und gemütlich Kaffee getrunken – und Männer sind als Erzieher in Kitas generell ungeeignet, ja eigentlich sogar gefährlich.

Manche Kommentare sind vielleicht gar nicht böse gemeint, hinterlassen aber trotzdem ein schlechtes Gefühl

Und dann sind da noch Kommentare, die zwar gut gemeint und als Anerkennung verpackt sind, die bei euch aber auch oft ein schlechtes Gefühl hinterlassen. Ein Beispiel:

»Deine Arbeit … Das könnte ich nicht.«

Soll wahrscheinlich heißen:

»Respekt, dass du das machst.«

Was aber ankommt, ist: »So eine eklige und anstrengende Arbeit zu unmöglichen Zeiten würde ich niemals machen.« Das ist übrigens okay. Denn nur weil es kein guter Job für die eine ist, muss es nicht automatisch schlecht für den anderen sein. Schließlich kann niemand alles, und das gilt auch für Beschäftigte in der Sozialen Arbeit: Ihr könnt vielleicht auch nicht stundenlang vorm Bildschirm sitzen, auf Knopfdruck kreativ sein, an Autos schrauben, kassieren, Flugzeuge fliegen oder Kleiderschränke zimmern.

Wird man immer wieder mit Aussagen wie diesen konfrontiert, kratzt das auf Dauer am Selbstwert. Und es hindert daran, den eigenen Job gut und mit Leidenschaft zu machen, weil ja permanent suggeriert wird, dass die Arbeit nicht wertvoll oder anspruchsvoll ist, dass die Ausbildung minderwertig oder man selbst nicht geeignet dafür ist.

»Job Shaming« ist verletzend

Starker Tobak, für viele in der Sozialen Arbeit aber leider Alltag. Es gibt einen Begriff dafür, wenn jemand den Beruf einer anderen Person herabwürdigt oder die Person selbst aufgrund ihres Berufes beleidigt oder demütigt: Man nennt es »Job Shaming«. Wer ein dickes Fell hat, hört über negative Kommentare vielleicht hinweg oder bringt noch ein müdes Lächeln zustande. Andere haben sich über die Zeit schlagfertige Reaktionen parat gelegt. Doch egal, wie abgebrüht man auch ist, Titulierungen wie »Basteltante« oder »Arsch-Abwischer« sind im besten Fall nur nervig, im schlimmsten aber beleidigend und verletzend. Dass fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens einer oder einem von euch begegnen und eure Leistungen (wahrscheinlich dankbar!) in Anspruch nehmen wird, macht die Sache noch absurder. Denn wenn es soweit ist, möchte man seine Kinder, Eltern oder Verwandten doch Erzieher*innen und Pfleger*innen anvertrauen, die ihren Job motiviert und mit Herzblut machen, oder?

 

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Soziale Arbeit wird nicht ausreichend anerkannt

Dabei sollten Menschen mit Jobs in der Altenpflege und der Kinderbetreuung eigentlich ein hohes Ansehen in der Bevölkerung haben. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2019 zählen beide Berufsgruppen nämlich zu den zehn angesehensten Berufen: Die Arbeit in Kita und Kindergarten liegt auf Platz 6, die Altenpflege auf Platz 4. Besser kommen im Ranking nur noch Feuerwehrleute und Ärztinnen und Ärzte weg. Interessanterweise scheint davon im Alltag wenig übrigzubleiben, denn zum Beispiel Pflegekräfte nehmen das ganz anders wahr: Ebenfalls im Jahr 2019 fand das Meinungsforschungsunternehmen Civey mit einer Umfrage unter 500 Pflegekräften heraus, dass vier von fünf Beschäftigten das Gefühl hatten, ihre Arbeit werde nicht ausreichend anerkannt.

Soziale Arbeit als stützender Pfeiler der Gesellschaft

Und das, obwohl soziale Berufe doch so wichtig sind. Ohne engagierte und qualifizierte Menschen in Kitas, Kindergärten und Seniorenzentren könnte die Gesellschaft gar nicht funktionieren. Das haben seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 wohl alle verstanden: Viele von euch rückten zur Notbetreuung in Kitas und Kindergärten aus oder kümmerten sich trotz Ansteckungsgefahr auch weiterhin unermüdlich um Senior*innen in Pflegeeinrichtungen. Wenig später versammelte man sich in Deutschland allabendlich an Fenstern und auf Balkonen, um den Menschen in systemrelevanten Berufen mit Beifall zu danken. Für eine kurze Zeit konnte man da Wertschätzung für die Berufe spüren, die für viele sonst wohl wie selbstverständlich existieren. Der Applaus rückte die Soziale Arbeit auch politisch in den Fokus, machte auf strukturelle Probleme aufmerksam – und verebbte dann schnell wieder.

Pflege und Betreuung waren auch schon vor der Pandemie systemrelevant

Doch um das Image der Branche langfristig zu verbessern, braucht es mehr als Beifall. Denn Pflege und Betreuung waren auch schon vor der Pandemie systemrelevant und werden in Zukunft noch wichtiger: Die immer älter werdende Bevölkerung braucht Fachkräfte genauso dringend wie die Kinder, die durch den allgemeinen Ausbau des Betreuungsangebots und einen geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung mehr Zeit in Einrichtungen verbringen werden.

Zeit für einen Image-Wandel der Sozialen Berufe

Jetzt müssen seitens der Politik also Taten folgen, um eine Aufwertung der Berufe zu erreichen und Beschäftigten, Auszubildenden und Schüler*innen Sicherheit und eine attraktive Perspektive zu bieten.

Das sollte einerseits durch höhere Löhne geschehen, andererseits aber auch durch Aufklärung. Etwa wenn in den Medien völlig verzerrte Bilder von Arbeitsplätzen und Aufgabenbereichen auftauchen. Statt reißerische Horrorgeschichten zu erzählen, sollten Medien authentische Einblicke in Einrichtungen geben. Und statt weiterhin Klischees zu bedienen, zeigen, dass Pflege eben mehr ist als nur Waschen und die Arbeit in der Kita mehr als nur Spielen. Viele von euch und auch die AWO als Organisation helfen da jetzt selbst nach und machen sich in Sozialen Medien für eure Berufsgruppen stark. Denn nur wenn ihr auch selbst ein starkes und professionelles Bild nach außen transportiert, verlieren Klischees und Vorurteile an Kraft. Menschen in sozialen Berufen entscheiden sich oft aus Überzeugung für ihren Job und führen sinnstiftende und gesellschaftlich relevante Tätigkeiten aus. Doch vielleicht hilft es, der Gesellschaft zu zeigen, dass alle Pflegekräfte und jede*r einzelne Erzieher*in über eine Menge Fachwissen, hohe Sozialkompetenz und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein verfügen und dass der Beruf nicht immer nur Berufung ist. Deshalb: Kopf hoch, Brust raus – ihr seid Menschen mit Herz und könnt stolz darauf sein.

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