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Die Rente kommt

Autor
Laura Lange

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Die Rente kommt

Beim Thema private Altersvorsorge schalten wir am liebsten ab – aus Unsicherheit, Unlust oder Überforderung. Dabei ist ein finanzielles Polster fürs Alter in Zukunft wichtiger denn je. Damit auch Anfänger*innen der Einstieg ins Thema gelingt, erklären wir wichtige Begriffe, geben Tipps und Adressen und sprechen mit einer Finanz-Expertin über Sparpläne, nachhaltiges Investieren und die Blaue Mauritius.

Legen wir doch gleich den Finger in die Wunde: Die gesetzlichen Renten reichen vielen Menschen schon heute kaum, um damit auch im Alter genauso gut zu leben wie vorher. Die Prognose für zukünftige Rentengenerationen ist noch düsterer. Für die meisten ist das ja auch längst kein Geheimnis mehr, selbst die Deutsche Rentenversicherung weist uns in ihrem jährlichen Informationsschreiben darauf hin. Es sei eine »Versorgungslücke« zu erwarten, steht da im letzten Absatz. Damit ist die Differenz zwischen dem gewohnten Einkommen und den tatsächlichen Einnahmen im Alter gemeint. So weit, so klar. Bleibt die Frage, wie man diese Lücke füllen soll, um nicht in Altersarmut zu geraten.

Zunächst mal bedeutet private Altersvorsorge nichts anderes als langfristig Vermögen aufzubauen, an dem man sich nach dem Renteneintritt dann bedienen kann. Deshalb kann private Altersvorsorge vieles sein: Lebens- und Rentenversicherungen, eine Immobilie, ein Kunstwerk, ein mit Diamanten besetztes Goldcollier, Wertpapiere oder Aktienfonds.

Für welche Anlageform und -strategie man sich entscheidet, hängt dann von individuellen Faktoren wie der eigenen Risikobereitschaft oder dem Alter ab. Wichtig: Grundsätzlich ist es nie zu spät, sich um die private Absicherung zu kümmern, aber es ist auch nie zu früh. Besonders junge Menschen können anfangs schon mit kleinen Sparbeträgen eine gute Basis für später bilden. Nur: Sparen auf dem Konto ist keine gute Idee, denn durch die Inflation verliert das Geld an Wert.

Als besonders einfache und kostengünstige Möglichkeit, die Inflation auszugleichen und privat Vermögen aufzubauen, gelten Aktienfonds, besonders ETFs (s. Infobox). Diese sogenannten Indexfonds, die automatisiert einen Aktienindex wie zum Beispiel den DAX nachbilden, sind seit einiger Zeit im Trend, sie gelten als Börsen-Einstiegsprodukt, weil sie leicht zu verstehen, flexibel und transparent sind. Auch der Weg zur ETF-Anlage ist überschaubar und nach etwas Recherche sogar von zuhause aus mit wenigen Klicks umzusetzen: Zunächst legt man sich ein Depot an, das geht klassisch bei einer Bank, online oder telefonisch bei einer Direktbank oder auch über sogenannte Neobroker via App (s. Infobox). Dann entscheidet man sich für einen oder mehrere möglichst breit gestreute ETFs, das heißt für Fonds, die in möglichst viele Länder und Unternehmensbranchen investieren, und legt einen Sparplan mit monatlichen Beiträgen fest oder zahlt einmalig eine Summe ein. Ist das Depot eingerichtet, braucht es im Grunde kaum Pflege. Generell sollte man seine Finanzen natürlich trotzdem immer im Blick behalten. Wer doch Lust hat, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen und sich im Umgang mit dem Thema sicherer fühlt, kann sein Portfolio bei Bedarf meist unkompliziert erweitern oder umstrukturieren.

In Deutschland war der Hype um ETFs 2021 besonders groß, nicht zuletzt lockten auch die steigenden Kurse während der Corona-Pandemie Anleger*innen an die Börse. Trotzdem geht der Großteil der Deutschen nach wie vor lieber auf Nummer Sicher und investiert in risikoarme, aber auch renditeschwache Finanzprodukte wie Festgeld oder Anleihen. Die Jüngeren sind da mutiger: Immer mehr interessieren sich für Geldanlagen und sprechen offen darüber. Sie investieren online, informieren sich über Finanzkanäle auf YouTube oder Instagram und tauschen sich mit Freund*innen oder in Internet-Portalen untereinander aus.

Bevor es aber überhaupt ans Investieren geht, sollte man unbedingt zuerst alle Schulden begleichen. Wer keine anderen Rücklagen hat oder sich im Notfall nicht auf finanzielle Unterstützung von Partner*innen oder der Familie verlassen kann, sollte einen jederzeit verfügbaren Puffer von etwa drei Nettogehältern beiseitelegen, damit aus einem finanziellen Engpass durch Kurzarbeit, größere Reparaturen oder andere ungeplante Ausgaben keine langfristige Schieflage wird.

Und dann wäre da neben all den Aktien, Versicherungen und Wertgegenständen noch eine Anlageform, die gerne vergessen wird, aber enorm wichtig ist: die Investition in uns selbst. Noch nie war es so einfach wie heute, sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln, sowohl beruflich als auch privat. Bücher zu lesen, Podcasts zu hören und an (Online-)Seminaren teilzunehmen macht klüger, kreativer und selbstbewusster – und zahlt sich garantiert immer aus.

Die big Five

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index nachbildet. Bekannte Indizes sind zum Beispiel DAX, Dow Jones, Nikkei 225, FTSE und MSCI.   Ein ETF hält die gleiche Anzahl an Aktien von Unternehmen wie der jeweilige Index – der Wert des ETF entwickelt sich also parallel zum Index. Ein Vorteil gegenüber Einzelaktien ist die breite Streuung, denn man investiert mit ETFs statt in einzelne Unternehmen gleich in ganze Märkte. Auch ein Plus: ETFs sind deutlich günstiger als aktive Fonds, bei denen sich ein Fondsmanager um die Zusammenstellung des Portfolios kümmert.

Die Abkürzung NFT steht für »Non-Fungible Token«, was auf Deutsch etwa »nicht ersetzbarer Wert« heißt. Diese digitalen Unikate sind im Moment vor allem Bilder, Musik und Videos, für die die Käufer*innen eine digitale Besitzurkunde bekommen. Je nach Seltenheit und Nachfrage können die Kurse innerhalb kurzer Zeit extrem steigen oder fallen.

Für risikobereite Anleger*innen sind sie eine interessante Anlageform, auf dem Markt tummeln sich allerdings viele Betrüger*innen.

Dieser digitaler Vermögensverwalter hilft Anleger*innen bei der Geldanlage. Dafür beantworten Kund*innen zunächst Fragen z. B. zu Risikobereitschaft, Anlagedauer und Sparbetrag. Das Computerprogramm wertet die Angaben aus und schlägt den Kund*innen basierend auf Algorithmen passende Wertpapiere vor. Stimmt man zu, richtet der Robo Advisor ein Depot ein, das er in der Folge überwacht und bei Bedarf anpasst.

Kryptowährung, auch Coin oder Token genannt, ist digitales Geld. Viele dieser Vermögenswerte fungieren auch als Tauschmittel, man kann sie an Krypto-Börsen kaufen oder mit ihnen handeln. Aufbewahrt werden sie in einer Wallet, einer Art digitaler Geldbörse, die mit einem Passwort geschützt ist. Alle Daten zu Inhaber*innen und Transaktionen werden auf unzähligen Servern in einer sogenannten Blockchain verschlüsselt gespeichert. Die erste und bekannteste Kryptowährung ist Bitcoin.

Neobroker wie Scalable Capital, Trade Republic oder Smartbroker sind eine neue Generation von Online-Brokern, die günstig, schnell und einfach zu bedienen sind, meist über eine App. Im Unterschied zu klassischen Banken oder Online-Direktbanken wie ING oder comdirect brauchen Anleger*innen bei Neobrokern ein zusätzliches Girokonto bei einer Bank. Auch die Auswahl der Handelsplätze ist bei Neobrokern auf wenige beschränkt.

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