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Gender Equality – Was ist dran an der Gleichberechtigung?

Autor
Laura Lange

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Gender Equality – Was ist dran an der Gleichberechtigung?

Schon bei der Gründung der Arbeiterwohlfahrt durch Marie Juchacz im Jahr 1919 war die AWO in Sachen Frauen und Gleichstellung ihrer Zeit voraus. Doch es hat lange gebraucht, bis der Startschuss des Rennens um die Gleichstellung von Mann und Frau fiel.

Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Ein Dasein als Hausfrau und Mutter: Das war vor einem halben Jahrhundert in der Bundesrepublik nicht nur eine private Entscheidung, sondern ein staatlich gewolltes Lebensmodell. Bis 1977 blieb es dem Ehemann per Gesetz vorbehalten, ob seine Frau arbeiten durfte.

Mittlerweile ist die Erwerbsquote von Frauen von 45 auf 73 % gestiegen – und liegt nun nur acht Prozentpunkte hinter der der Männer. Bei der AWO liegt der Frauenanteil der Mitarbeiter*innen bei rund 84%. Doch es gibt neue Barrieren, die Arbeit und finanziellen Verdienst der Frauen prägen: Die Frauen gehen nun zwar vermehrt ihrer Erwerbstätigkeit nach, reduzieren ihre Care-Arbeit aber nur gering. Manchmal können sie diese Tätigkeiten des Pflegens und Sich-Kümmerns auslagern, organisieren oder bezahlen Dritte für Kinderbetreuung und Haushaltshilfe – oftmals aber nicht. Männer engagieren sich kaum mehr als früher, trotz der Einführung gesetzlicher Hilfen wie der Elternzeit oder der Ganztagsbetreuung an Kitas und Schulen …

Das Phänomen »Supermom«

Ständig begegnen Frauen hier einer anderen Erwartungshaltung als Männern. Nicht selten werden Frauen in der Elternzeit mit Fragen wie »Und wann willst du wieder richtig zurückkommen?« konfrontiert, während Männer immer öfter für ihre Pause im Job für die Familie gelobt werden. Auch die Bezeichnung der »Supermom« etabliert sich immer mehr in das gesellschaftliche Bild der Frau. »Menschen, die sich im Beruf weiterentwickeln möchten, müssen nach wie vor sehr viel Zeit investieren. Das führt zu weniger Zeit im Privaten. Die Zeit, die im Beruf notwendig ist, fehlt für Familie, Freizeit, Freunde«, so Prof. Hannes Zacher von der Uni Leipzig. Viele Frauen kennen das – obwohl sie nicht offen darüber sprechen, das störe ja das gesellschaftliche Powerfrauen-Bild. Und das hat Folgen, so Zacher:

Viele Frauen haben das Gefühl, dass sie den unterschiedlichen Lebensbereichen nicht vollständig gerecht werden können, dass sie ständig von einem Ort zum anderen hetzen und womöglich selber oft zu kurz kommen.
Prof. Hannes Zacher, Universität Leipzig

2019 arbeitete nach Angaben des Statistischen Bundesamts fast jede zweite Frau in Teilzeit, bei den Männern sind es dagegen 11 %, 1991 waren es nur rund 2 %. Doch ob Teilzeit oder Vollzeit: Frauen verdienen weiterhin deutlich weniger als Männer – bei gleicher Qualifikation. Insgesamt verdienten Frauen in Deutschland 2020 durchschnittlich 18 % weniger je Stunde als Männer. Die Bundes­regierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Ver­dienst­ab­stand bis zum Jahr 2030 auf 10 % zu senken.

Die AWO bietet daher vielen Familien und Alleinerziehenden beratende Tätigkeiten oder die Möglichkeit an der Teilnahme einer Mutter-/Vater-Kind-Kur an. Hierbei geht es hauptsächlich um den Abbau von Frauenarmut durch die Förderung weiblicher Erwerbstätigkeit und einer Neubewertung von gesellschaftlich unverzichtbarer, privater und beruflicher Care-Arbeit.

Die Naturwissenschaften sind männlich

Es waren Ende der Sechzigerjahre vor allem Studierende, die in vielen Städten unter anderem für Frauenrechte protestierten: Doch die Studierendenschaft bestand hauptsächlich aus Männern. Das änderte sich in den folgenden Jahrzehnten, seit 2000 ist das Verhältnis nahezu ausgeglichen. Doch noch immer gibt es große Unterschiede in der Wahl der Studienfächer. Viele Hörsäle, in denen die Vorlesungen der MINT-Fächer stattfinden, sehen aus wie vor fast 50 Jahren: viele Männer, wenige Frauen. Dabei stellte das IAB schon Ende der Sechzigerjahre fest, dass »bei Frauen Begabungsreserven, vor allem auf mathematischem Gebiet, kaum genutzt werden«. Und auch an der Benotung in der Schule ist klar zu erkennen, dass es keinen Leistungsunterschied zwischen Mädchen und Jungen in den naturwissenschaftlichen Schulfächern gibt.

Die Frauen und das Wahlrecht

Uns stehen die Bundestagswahlen kurz bevor, aber es ist noch gar nicht so lange her, dass Frauen sich ihr Mitbestimmungsrecht in der Politik erst erkämpfen mussten. Das Frauenwahlrecht gibt es gerade mal seit dem 12. November 1918. Bei der Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 und der damit verbundenen deutschen Wahl hatten Frauen erstmals das aktive und passive Wahlrecht. Es ist kein Zufall, dass die Arbeiterwohlfahrt genau in diesem Jahr gegründet wurde. Marie Juchacz war die erste Frau, die in einem deutschen Parlament redete. Mit der Gründung der AWO am 13. Dezember 1919 schuf sie einen Verband, der auch nach über 100 Jahren ihre Überzeugungen vertritt, für demokratische Werte kämpft und auf eine lange Tradition von starken Frauen wie sie zurückblicken kann.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter hat also schon viele Hürden geschafft, der Wettlauf gegen das veraltete Geschlechterbild ist aber noch nicht gewonnen. Deshalb hat sich die AWO zur Aufgabe gemacht, das fünten Ziels der Vereinten Nationen zu unterstützen: »Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen«. Geschlechtergerechtigkeit ist für die AWO dann erreicht, wenn alle Menschen frei sind, ihre Lebensentwürfe unabhängig von ihrer geschlechtlichen sexuellen Identität verwirklichen können und ohne Zwang und Gewalt zu leben.

Wir stehen ein für »Gleiche Rechte, gleiche Pflichten, gleiche Chancen, gleiche Macht«.

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